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"Neandermaler"

30. Januar 2019

Was Datierungen von Kalzitkrusten auf Höhlenmalereien über deren Ursprung verraten können

Vortragender: Dr. Dirk L. Hoffmann, MPI für Evolutionäre Anthropologie, Leipzig

Höhlenmalereien sind beeindruckende Zeugnisse der kognitiven und künstlerischen Fähigkeiten früher Menschen. Aus der Lokation und dem Alter von Höhlenmalereien können Rückschlüsse auf deren Urheber gezogen werden. Allerdings ist das Alter solcher Malereien sehr schwer zu bestimmen. Bislang gab und gibt es nur wenige verlässliche Datierungen von Höhlenkunst.

In den meisten Fällen kann das Alter nur aufgrund von stilistischen Merkmalen geschätzt werden. Mittels der AMS 14C Methode konnten bahnbrechende Datierungen von mit Holzkohle angefertigten Höhlenzeichnungen gemacht werden, dies kann aber nicht auf die vielen Malereien mit anorganischen Pigmenten angewandt werden. Unser Wissen über das Alter von Höhlenmalereien war und ist also lückenhaft. Basierend auf 14C Datierungen und stilistischen Erwägungen war die bislang gängige Lehrmeinung, dass Höhlenkunst nur in den letzten 40.000 Jahren gemacht wurde und deshalb ausschließlich vom sogenannten modernen Menschen stammen muss.

Mittels der U-Th Datierungsmethode kann das Alter von Kalzitablagerungen auf Höhlenmalereien bestimmt werden. Da die Malerei bereits vorhanden war, als sich das Kalzit darauf gebildet hat, bekommt man durch die Datierung ein Mindestalter für die Malerei. Neue Datierungen von solchen Kalzitablagerungen auf Höhlenzeichnungen im heutigen Spanien ergeben Mindestalter einiger Zeichnungen von über 60.000 Jahren. Moderne Menschen sind in dieser Region aber erst vor etwa 40.000 Jahren angekommen. Die Ergebnisse zeigen also, dass die vor der Ankunft des modernen Menschen in Europa verbreiteten Neandertaler ebenfalls in der Lage gewesen sein mussten, tief in dunklen Höhlen mit Farbpigmenten Markierungen, negative Handabdrücke oder Zeichnungen anzufertigen und dies auch getan haben. Der Vortrag gab einen Einblick in die Methodik der U-Th Altersbestimmung, neueste Datierungsergebnisse und deren Bedeutung für die Einordnung der Malereien.

 


 

Vortrag Hoffmann
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